Der Pflock des Augenblicks
8.Juli - 26. August 2011 Kulturzentrum am Münster, Gewölbekeller, Konstanz
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Cornelia Brintzinger zeigt in der Ausstellung großformatige Werke, die zum Teil eigens für diese Ausstellung konzipiert wurden. Die großen Bildmotive werden von Objekten und kleineren Arbeiten begleitet, auf denen vereinzelt Personen oder Tiere zu sehen sind.
Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf einen Satz von Nietzsche, in dem er das Tier als an den „Pflock des Augenblicks“ gebunden sieht. Es existiere ohne Bewusstsein für das Kontinuum der Zeit – ganz im Gegensatz zum Menschen. Der Mensch, der die Natur betrachtet, falle, so Nietzsche, aus ihr heraus, da er sich im gleichen Augenblick selbst als Betrachter wahrnehme und sich dabei von ihr entferne.
Brintzingers Arbeiten basieren auf Fotos, die sie meist in entlegenen Regionen des Schwarzwalds aufnimmt. Diese werden gerastert und anschließend mittels Siebdruckverfahren auf monumentale Holzplatten übertragen Hierdurch wird eine malerische Wirkung erzielt, die – trotz der deutlich sichtbaren fotografischen Rasterung – an Landschaftsbilder der Romantik erinnert. Dunkel gehaltene Sehnsuchtslandschaften spielen mit Vorstellungen von alten mythischen Orten, ohne diese zu konkretisieren.
Die Reduzierung der Palette auf zwei Farben und die feine Rasterung der Siebdruckvorlagen lassen die Waldmotive bei der Betrachtung aus der Nähe in zahllose Punkte zerfallen. Gleichzeitig lassen sie bei der Betrachtung aus der Ferne eine fast schon greifbare Räumlichkeit entstehen. Durch das panoramaartige Format mancher Arbeiten wird diese Wirkung noch verstärkt. Es entstehen „Waldbühnen“ von rätselhafter, filigraner Schönheit, in denen gleichzeitig das „Unheimliche“ zu lauern scheint. Das von Nietzsche angesprochene Paradox findet eine formale Entsprechung in Brintzingers Spiel mit Gegensätzen wie etwa Nähe und Distanz oder Fläche und Raum.
In einigen der Walddarstellungen lassen sich – wie auf einer zweiten Bildebene schemenhaft Figuren erkennen. So erscheinen Gesichter aus dem Zusammenspiel von Ästen eines Baumes oder ein reales Portrait liegt als zweite Ebene über der Landschaft. Diese durch Collagierung, Spiegelung oder Überlagerung der fotografischen Vorlagen entstandenen Schemen sym-bolisieren einen Blick hinter die Landschaft. Im Chaos des Gehölzes und der sich auflösenden Szenerie dienen diesen Wesen als Widerpart oder Protagonisten in der Landschaft. Gleichzeitig verweisen die Figuren in ihrer geisterhaften Präsenz auf die Vergänglichkeit und die flüchtige Intensität des Augenblicks. Diese Bilder wurden unter dem Serientitel „Ghosts“ (Geister) zusammengefasst.
Cornelia Brintzinger wuchs in Konstanz auf und studierte in Karlsruhe an der Akademie der Bildenden Künste. Seit 2001 lebt und arbeitet sie in Berlin.