Alexander Rischer
-Pseudomorphose-
Eröffnung Donnerstag 25. Mai um 19:00 Uhr
Reise ins Verstummte
Mit dem Blick und der Ausrüstung eines klassischen
Fotografen begibt
sich Alexander Rischer auf die Suche nach Fragmenten einer verlorenen
Zeit. So dokumentiert er mittelalterliche Kultstätten und
Absurditäten, deren formale Präsenz die inhaltliche Bedeutung längst
abgelöst hat.
Thematisch gebunden zieht er im weiten Radius durch die Lande
- von Böhmen über Frankreich nach Irland, oder von Dänemark
über Deutschland nach Italien -
im Gepäck die Fundstücke intensiver
Recherche.
Alexander Rischer weiss Ungeheuerliches zu berichten
- vom Nadelöhr,
einem kleinen steinernen Tor, durch das man hindurchkriechen muss,
um sich
von allen Sünden und Krankheiten zu befreien oder vom Äbtissinnensattel
(s. Foto),
auf dem die frischgewählte Äbtissin einen ganzen Tag lang ausharren
musste.
Für Neugierige steht der Künstler während
der Ausstellung mit
detailliertem Wissen zur Verfügung.
Höret und staunet....über Taubenhäuser, Ladyfinger, Irrhaine,
Seelenlöcher und Jammerkreuze.
Wir laden euch herzlich zur Ausstellungseröffnung
ein.
Nicole Bianchet und Conni Brintzinger
Kurze Bemerkung zu meiner Arbeit
Mit den Mitteln der "klassischen" Schwarzweiß-Fotografie
beschäftige ich
mich in Serien mit architektonischen Objekten, deren skulpturale Aspekte
mit
geschichtlichen und biografischen, mit Handlungsstrukturen und inneren
Bewegungen verwoben, deren stilistische und funktionale Strukturen
zweitrangig sind gegenüber ihrer Bedeutung als Vehikel und Gegenstand
von
Überlieferung und Erzählung.
Dabei ist von Interesse durchaus das Relikthafte, Unterbrochene, das nur
vage Erinnerte, Stocken und Versiegen des Erzählflusses, an den das
persönliche Aufsuchen und die Kameraarbeit am Ort anzuknüpfen vermögen,
ohne dadurch etwas einer vermeintlichen und projizierten Vergessenheit
entreissen zu müssen.
Bei vielen Aufnahmen handelt es sich um sogenannte Kleinarchitekturen,
Flurdenkmale, Friedhofsmöbel, Kapellen, deren äußere Vielgestalt
im Feld
zwischen Säule und Speicher/Behälter ihren Ort hat.
So verschieden sie also auch zu sein scheinen, gibt es als verbindendes
Element den Aspekt "starting point":
Eine Konstruktion also, die aussendet, von der etwas ausgeht, Licht, Vögel,
Sprache, die Seuche, die in paralleler Wendung aber auch empfängt, bindet.
Diese "Kleindenkmale" sind Male also einer Durchkreuzung von Motiven
der
Bündelung und der Streuung, den Siedlungen entstammend und auf diese
ausgerichtet und dennoch in den Landschaftsraum gewendet.
Kaum noch erfüllen sie die ihnen einstmals angestammten Funktionen;
eine
Geschichte von Bedeutungsentzug und Bedeutungszuweisung läßt die
Grenzen
zwischen Projektion und Funktion mitunter unscharf erscheinen, eindeutige
Kenntlichkeit von Sakralem und Profanem verschwindet in der Erzählung.
Das unumgängliche Aufsuchen der Orte, um an diesen das ihnen zugehörige,
das dortige Licht, kurzzeitig auf den Film fallen zu lassen, es aufzulesen,
ist auch eine Geste, die, jenseits des Technischen, zu dieser Erzählung
eine Fußnote beifügt.